Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 31.03.2025
So ein Huhn ist ja auch nur ein Mensch
Peter Gaymann und Josef Brustmann ließen im Lauffener Klosterhof mit Cartoons und Spottliedern die Hühner tanzen

Bissigen Witz kann man mit vielen Mitteln ausdrücken: Mit spitzer Feder genauso wie mit spitzer Zunge. Zwei Künstler, die dies in ihrem Leben zu großer Meisterschaft gebracht haben, sind der Cartoonist Peter Gaymann und der Kabarettist, Autor und Musiker Josef Brustmann. Am vergangenen Sonntag plauderten die beiden bei „bühne frei…“ im Kosterhof aus ihrem Leben. Dem Publikum erlaubten sie dabei, ihnen beim künstlerischen Schaffensprozess über die Schulter zu schauen.
Tierische Paare
Zu Beginn eine typische Lauffener Situation: Die Weinbergschnecke trifft in den Weinbergen zwischen Rebstöcken und Regiswindiskirche auf einen Igel und sagt: „Gestern bin ich geblitzt worden“. Im Kern der Gaymann’schen Cartoons steht immer ein Paar: Schnecke und Igel, Huhn und Hahn, Mann und Frau. Ungemein spannend ist es, dem künstlerischen Prozess bei der Entstehung zuschauen zu können: Gaymann zeichnet live, mit einer Kamera wird dies mit Beamer auf die Leinwand übertragen. Und so entwickelt sich, immer mit der Nase beginnend (!), jeder Cartoon aus der Kern-Paarsituation und reichert sich mit liebevollen Details an bis der witzig-pointierte Spruch den Schlusspunkt setzt. Eingebettet sind die häufig tierischen, und doch so menschlichen Protagonisten, in die Szenarien, die der Künstler erlebt und auf seinen Reisen auch immer wieder gezeichnet hat: in den Auftrittsorten, in der Badischen Heimat Freiburg, in der Wahlheimat Rom, wo er in den Achtzigern fünf Jahre gelebt hat, in der Heimat seiner zweiten Frau Viktoria in Bayern, wo auch er seit acht Jahren zuhause ist. Neben dem Witz, der Pointe, kommt es Peter Gaymann dabei jedoch stets auf die künstlerische Qualität an, die seine Zeichnungen ausmacht: der richtige Gesichtsausdruck, die Handtasche über der Stuhllehne, die Palme am italienischen Strand, die passende Straßenlaterne. Der Witz darf dabei manchmal harmlos, manchmal böse sein: Wenn er in den Anfangsjahren, in denen er für die Badische Zeitung zeichnete, zu böse war, dann schickte er den Cartoon zur TAZ und da war er dann genau richtig.
Bayrische Volklieder im Urwald
Josef Brustmann, der wortgewaltige Bayer, dient an diesem Abend als Stichwortgeber, Präsentator und Kommentator in einer Person. An seiner Zither, diesem urbayrischen Instrument, spießt er virtuos und schelmisch auf, was ihn aufregt. Immer hintersinnig, manchmal ein bisschen derb, oft ein bisschen despektierlich – aber immer ins Schwarze treffend. Ob man ihm jetzt glaubt, dass sein Freund in den Urwald ausgewandert ist und den indigenen Völkern bayrische Volkslieder beigebracht hat, dass ihn bei einem der letzten Auftritte mit Gaymann eine Witwe sagte: „So viel wie heute Abend hab‘ ich seit dem Tod meines Mannes nicht mehr gelacht!“ und die attraktive, junge Radfahrerin im Biergarten wirklich „Eine Radlerin, bitte!“ bestellte und der Schankkellner darauf mit „Geht leider nicht. Meine Zapfhenne ist kaputt!“ antwortet - nun, das muss jede/r für sich selbst entscheiden. Aber so bringt Brustmann auf den Punkt, was ihm auf die Nerven geht: die Scheinheiligkeit der Amtskirche, die Unfähigkeit von Politikern, die bierernste Verbissenheit von Gendergegnern und Befürworterinnen und vor allem: Unmenschlichkeit. Was man merkt, wenn einem das Lachen, wenn Donald Trump als „Geschwür“ am Hinterteil eines Frosches geoutet wird, fast im Hals stecken bleibt. Dem groben Klotz setzt er aber auch gefühlvolle, poetische Momente entgegen, etwa wenn er aus seinem eigenen Leben erzählt oder aus seinem gerade erschienenen ersten Buch „Jeder ist wer“ ein Gedicht an seine Frau vorliest, in dem er ganz wunderbare Bilder findet: „Vom Mond tropft honiggelbes Licht / ins Hügelland uralter Nächte“, „und deine Seele klingt ganz wund“. Und so bringen auch die Lieder, von bayrischen Gstanzln über "Sound of Silence" bis "Highway to Hell" (auf der Zither!!!) neue Seiten zum Klingen.

Die Paar Probleme
Beide Männer berichten von ihren Ehen, deren Scheitern, vom Wiederfinden der Liebe mit einer neuen Partnerin: den Paar Problemen, denen sich Peter Gaymann ab 1990 und dann 30 Jahre lang in seiner „Brigitte“-Kolumne beruflich widmete und mit denen er gleichzeitig im eigenen Alltag konfrontiert war. Leben konnte er von seiner Kunst zwar schon lange, den millionenfachen Postkarten mit witzigen, pointierten Motiven zum Dank, aber hier wurde er mit seinen Hühnern zum Teil des Alltags von Millionen Leserinnen und Lesern, brachte auch ihre Sorgen und Freuden pointiert auf den Punkt. Was nicht immer ganz einfach war, wenn man selbst gerade Single ist, wie er freimütig zugab.

Humor hat kein Alter
Heute ist Gaymann freier, in dem was er tut. Freude machen ihm neben den Cartoons besonders seine Reiseaquarelle, die er sorgfältig coloriert und mit denen er mit liebevollem Blick die Eigenheiten der Orte einfängt. Zeit hat er heute aber auch für Themen, die ihm am Herzen liegen: seien es die Demensch-Comics zum Thema „Demenz“ (die auch schon in Lauffen zu sehen waren), die „Rollator-Club-Comics“, in denen er die Herausforderungen des Alters humorvoll aufgreift, oder seine Arbeiten zugunsten des Kinderhospiz-Dienstes. Über 20.000 Zeichnungen haben sich so in Gaymanns Atelier mittlerweile angesammelt und doch ist ihnen eines gemeinsam und damit schließen die beiden Künstler den Abend: „Humor ist eine wichtige Angelegenheit, eine Überlebensstrategie“. Und einfach tierisch menschlich.
Text und Fotos: Bettina Keßler
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